Patenschaftsprogramm für neue Mitarbeiter mit Migrationshintergrund

20.09.2017 08:51 Uhr

Erfahrene Kliniken-Mitarbeiter stehen als Paten zur Seite

Leben und arbeiten in einem anderen Land

Rund die Hälfte der Krankenhäuser in Deutschland haben Probleme, offene Stellen im Pflegedienst zu besetzen. Laut einer Befragung des Deutschen Krankenhausinstituts DKI sind vor allem Kliniken mit einer Größe von über 600 Betten von dem Fachkräftemangel betroffen. So auch das Klinikum Ludwigsburg. Es ist dem Klinikum gelungen, Pflegekräfte und Hebammen aus den Maghrebstaaten - v.a. Tunesien - und insbesondere aus Serbien, Kroatien und Bosnien zu gewinnen. Manche sind bereits an ihren Einsatzorten, andere werden in absehbarer Zeit noch ankommen. Es gibt derzeit 20 Anerkennungspraktikanten aus diesen Staaten im Klinikum Ludwigsburg, die auf ihre Anerkennung warten und dann übernommen werden könnten, wenn sie in Deutschland bleiben wollen. Das wäre ein großer Schritt in Richtung Besetzung der offenen Stellen.

 

Um diesen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anderer Staaten und Kulturen den Einstieg in die Arbeitswelt und das Leben in Deutschland zu erleichtern, ist das Interkulturelle Integrationsteam Ludwigsburg sehr aktiv. Es leistet einen großen Beitrag, diese Mitarbeiter bei ihrer Integration im Klinikum zu unterstützen. In enger Zusammenarbeit mit der Pflegedirektion wurde eigens dafür ein Konzept der „Patenschaft“ entwickelt. Bei den Paten handelt es sich um erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ludwigsburger Klinikums, die den neuen ausländischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Startphase zur Seite stehen. Ein persönlicher Kontakt auf Augenhöhe ermöglicht es, voneinander zu lernen und längerfristige Beziehungen und Freundschaften aufzubauen. Durch den direkten Austausch und das Entdecken von Gemeinsamkeiten und Unterschieden lernen sich beide Seiten kennen und schätzen und profitieren voneinander. Dadurch steigt die unternehmerische und gesellschaftliche Akzeptanz. „Wir möchten durch dieses Patenschaftsprogramm unsere neuen Kolleginnen und Kollegen aus fremden Kulturen besonders in Ludwigsburg und in unserem Krankenhaus herzlich willkommen heißen“, so Cem Ercetin, freigestellter Betriebsrat und Mitglied im Interkulturellen Integrationsteams Ludwigsburg. „Wir verstehen unsere Mitarbeiter mit Migrationshintergrund nicht als Gäste, sondern als vollwertige und gleichberechtigte Kolleginnen und Kollegen und sehen in ihnen eine große Chance für unsere Krankenhäuser“.

 

 

Die Gründe für eine Auswanderung sind vielfältig. Während die Einen arbeitslos sind oder auf einen besseren Job hoffen, führt die Anderen eine generelle Unzufriedenheit mit der gegenwärtigen Situation in ihrem Heimatland zu diesem Entschluss. Und diese Menschen treffen in Deutschland auf eine Ausgangslage, die von einem Mangel an mehreren tausend Fachkräften im Pflegebereich geprägt ist und sich im Zuge des demografischen Wandels sogar noch steigern wird. Umso erfreulicher ist es, dass es Menschen gibt, die bereit sind, ihre Heimat zu verlassen und im Ausland zu arbeiten und zu leben.

 

Eine dieser neuen Mitarbeiterinnen, die ihr Heimatland Tunesien verlassen hat und sich auf das Leben in Deutschland und ihre Tätigkeit als Pflegefachkraft freut, ist Raja Bouallagui. Sie stellt sich in einem Interview mit Cem Ercetin:

 

Hallo Raja, wo ist gerade dein Einsatzort?

Zur Zeit arbeite ich in der Kinderklinik.

 

Warum bist du ausgewandert?

Ich bin ausgewandert, weil die Medizin in Deutschland sehr weit entwickelt ist, um eine neue Erfahrungen zu sammeln und auch um meine Lage zu verbessern.

 

War der Start hier in Deutschland schwierig?

Der Start ist sehr schwierig, weil alles neu ist. Fremdes Land, fremde Sprache und fremde Arbeit. Und ich bin seit ein paar Monaten alleine hier, ohne Familie. Das ist nicht leicht. Ich habe in Tunesien 8 Monate lang einen Sprachkurs gemacht, und das ist wenig um gut deutsch zu sprechen und zu verstehen.

 

Wurden die Erwartungen in einem anderen Land erfüllt?

Meine Erwartungen sind noch nicht erfüllt, weil ich bin erst vier Monate in Deutschland bin. Aber ich bin mir sicher, dass nach meiner Anerkennung alles in Ordnung sein wird.

 

Kannst du dir vorstellen länger in Deutschland zu bleiben?

Natürlich werde ich in Deutschland bleiben und versuchen, meine Familie hierher zu bringen. Und ich möchte, dass mein Sohn in Deutschland studiert und lebt.

 

 

Alexander von Humboldt: „Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.“

 



Pressesprecher

Alexander Tsongas
Abteilungsleiter Unternehmenskommunikation und Marketing
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