RKH Simulationszentrum wurde am 23. Mai 2017 eröffnet

23.05.2017 18:22 Uhr

Routine im Notfall durch Training am Simulator

Tritt ein Notfall oder kritisches Ereignis ein, kann jede Sekunde entscheidend sein. Ob eine schwere Verletzung, ein Herzstillstand oder eine spontane Geburt – ein schnelles und reibungsloses Handeln kann die Überlebenschance erhöhen und mögliche Folgeschäden verringern. Sowohl Berufsanfänger als auch erfahrene Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen können sich im neuen RKH Simulationszentrum in Vaihingen/Enz unter Annahme eines fiktiven Ernstfalls mit einem Simulationstraining an Übungsmodellen Routine aneignen. „Das neue Simulationszentrum ist ein weiterer Baustein in der Spezialisierung der RKH Kliniken. Es trägt zur Erhöhung der Patientensicherheit bei und ist auch ein wichtiger Faktor für die Personalentwicklung und -gewinnung“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende des RKH-Verbunds, Landrat Dr. Rainer Haas, im Rahmen der Eröffnungsfeier am 23. Mai und hob die Bedeutung des neuen Simulationszentrums hervor, das mit einer Investition von rund zwei Millionen Euro zu den modernsten und größten dieser Art in Deutschland zählt.

 

Notfallsituationen sind nicht planbar. Dennoch kann man sich durch häufiges Training auf sie vorbereiten. Oft mangelt es Mitarbeitern im Gesundheitswesen nicht an medizinischem Wissen, sondern daran, das vorhandene Wissen in einer Notsituation unter Zeitdruck richtig anzuwenden. Dazu kommt das Problem, dass Mitarbeiter unterschiedlicher Berufsgruppen und Fachgebiete aufeinandertreffen, und es an einer adäquaten Kommunikation und Verzahnung des Wissens fehlt.

 

In einem der modernsten und größten Simulationszentren Deutschlands, dem RKH Simulationszentrum in Vaihingen/Enz, können Ärzte und andere Berufsgruppen aus dem Gesundheitswesen nun in simulierten Notfallszenarien die Techniken der Patientenversorgung sowie das Zusammenspiel und die Kommunikation mit anderen Beteiligten üben. Die neue Einrichtung verfügt über acht Simulationsräume und einen jeweils dazugehörigen Steuerraum, von dem aus ein Trainer und ein sogenannter Operator einen Blick auf die Kursteilnehmer und ihre künstlichen Patienten haben. Als künstliche Patienten kommen im sogenannten High-End-Simulationszentrum realistisch wirkende Puppen zum Einsatz, die mit leistungsfähigen Computern ausgestattet sind. Diese künstlichen Patienten haben unter anderem Herz-, Atem- und Darmgeräusche und können neben zahlreichen anderen Ausstattungsmerkmalen Wasserlassen und aus Verletzungen – je nach deren Schwere – bis zu zwei Liter Kunstblut verlieren.

 

Der Trainer kann durch gezielte Anweisungen an den Operator die Körperfunktionen und Reaktionen der künstlichen Patienten verändern und so eine gespielte, lebensbedrohliche Änderung der Situation herbeiführen. Der Vorteil eines solchen Trainings liegt darin, Komplikationen und Überraschungseffekte zu simulieren und so den Schulungsteilnehmer realitätsnah vor akute Probleme zu stellen, auf die er adäquat reagieren muss. In diesen Situationen ist nicht nur Fachwissen gefragt, sondern es kommt auch auf die sogenannten Soft-Skills an. Zu den Soft-Skills zählt beispielsweise die Fähigkeit zu einer effektiven Kommunikation zwischen den Berufsgruppen, zu einer schnellen, situationsgerechten Entscheidungsfindung, zu einer kritischen Selbstbetrachtung und zum Umgang mit Stress und Belastung.

 

Aus der Luftfahrt, dem Militär und anderen Bereichen weiß man schon seit längerem, dass mehrfach geübte Abläufe dazu führen, diese im Notfall routiniert abzurufen und damit die Sicherheit zu erhöhen. „Ein wichtiger Aspekt des Trainings ist die Möglichkeit, sich selbst zu reflektieren“, weiß Dr. Stefan Weiß, Leiter des RKH Simulationszentrums. Die Teilnehmer erhalten wertvolle Erkenntnisse darüber, wie sie unter Stress wahrnehmen, handeln und kommunizieren. Es können zwei Gruppen mit jeweils bis zu zwölf Personen gleichzeitig im RKH-Simulationszentrum trainieren. Während ein kleiner Teil der Gruppe an dem eingespielten Szenario aktiv teilnimmt, kann der Rest der Kursteilnehmer das Geschehen in einem separaten Raum über einen Flachbildschirm beobachten. Anschließend werden Fehler und Verbesserungsvorschläge im Rahmen des sogenannten Debriefings strukturiert in der Gruppe unter Moderation durch den Trainer besprochen. Diese detaillierte Analyse des gerade erlebten Szenarios unter Zuhilfenahme von Videoaufzeichnungen dient unter anderem dazu, den Teilnehmern Werkzeuge für eine zukünftige Fehlerminimierung an die Hand zu geben.

 

Das berufsübergreifende Kursangebot richtet sich an Mediziner in Kliniken, medizinische Assistenzberufe, wie beispielsweise Personal von Rettungsdiensten, an Mitarbeiter im Pflegedienst und auch an niedergelassene Ärzte, zu denen man dank transportablem Equipment zu einer Schulung in die Praxis kommen kann. Bestens ausgebildete Fachleute waren auch für den Arbeiter-Samariter-Bund Baden-Württemberg e.V. Motivation, sich am RKH Simulationszentrum zu beteiligen. „Es ist entscheidend, dass in Notfallsituationen richtig und routiniert gehandelt wird. Das hochqualifizierte Simulationstraining erlaubt es uns, die Ausbildung vor allem unserer Rettungskräfte weiter zu professionalisieren“, so Landesgeschäftsführer Lars-Ejnar Sterley.

 

Das neue RKH Simulationszentrum gehört zu den zehn modernsten und größten Zentren seiner Art in Deutschland. In den Umbau der Räume im ehemaligen Krankenhaus Vaihingen und die hochmoderne Simulationstechnik hat der RKH Klinikverbund rund zwei Millionen Euro investiert. Die Kreissparkasse Ludwigsburg unterstützte das Projekt mit einer Spende in Höhe von 10.000 €. „Das Simulationszentrum sorgt für eine höhere Patientensicherheit und leistet damit einen Beitrag für die weitere Verbesserung der medizinischen Behandlungsqualität – nicht nur bei den RKH Kliniken selbst, sondern durch Kooperationen und Öffnung für andere Kliniken und Praxen auch weit darüber hinaus“, so der RKH Aufsichtsratsvorsitzende Landrat Dr. Rainer Haas. Das Portfolio des RKH Simulationszentrums konnte im Bereich der Chirurgie und des Rettungsdienstes durch Kooperationen mit der Aesculap Akademie in Tuttlingen bzw. dem Arbeiter-Samariter-Bund Baden-Württemberg e.V. ergänzt werden.

 



Pressesprecher

Alexander Tsongas
Abteilungsleiter Unternehmenskommunikation und Marketing
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